Soll ich meine Bewerber duzen oder siezen?

Soll ich meine Bewerber duzen oder siezen?

Locker, aber nicht zu flapsig. Seriös, aber nicht zu steif. Wie finde ich nur den richtigen Ton? Die Bewerber nicht abschrecken, aber der eigenen Unternehmenskultur treu bleiben – eine ganz schöne Gratwanderung!

Duzen in der Stellenanzeige –
geht das überhaupt?

Kommt auf die Zielgruppe an, könnte man meinen. Ist schon richtig, aber nicht nur:

Stell Dir vor, Du gehst zu einem Arzt, bei dem Du noch nie warst, meldest Dich am Empfang und wirst begrüßt mit den Worten „Ach hallo, füll doch schonmal das Formular aus.“

Hm… fühlt sich schräg an, oder? Es gibt Situationen, in denen es einfach nicht passt, jemanden zu duzen.

Gehst Du nun mit Deinem kleinen Hund in die Welpenschule und wirst direkt vom Hundetrainer geduzt, bist Du wahrscheinlich überhaupt nicht überrascht, sondern freust Dich über die familiäre Atmosphäre.

Es kommt zwar auch auf die Zielgruppe an, aber wie Du siehst, geht es außerdem um die Situation. 

Jetzt fehlt noch eine dritte Komponente: Der Sender der Botschaft.
Triffst Du beim Hundespaziergang einen Menschen des anderen Geschlechts, der außerdem augenscheinlich mindestens 30 Jahre älter ist als Du, kämst du sicherlich nicht auf die Idee, ihn einfach zu duzen.

Nun, so eindeutig ist die Lage in der Unternehmenskommunikation natürlich nicht immer. Aber schau Dir einfach die drei Komponenten an. Danach wirst Du die Entscheidung ganz leicht treffen können:

Zielgruppe:
Suchst Du Auszubildende oder junge Berufseinsteiger? Dann könntest Du das Du in Erwägung ziehen. Bist Du allerdings eher auf der Suche nach Wechslern, die beim Mitbewerber unzufrieden sind oder neue Herausforderungen suchen? Dann ist davon auszugehen, dass es sich um Bewerber handelt, die nicht mehr ganz blutjung sind. Je nach Gehaltsklasse würde ich hier das Sie vielleicht eher in Betracht ziehen.

Sender (Du als zukünftiger Arbeitgeber):
Wie tritt Dein Unternehmen an anderer Stelle nach außen auf? Wie sind die Texte der Website geschrieben – in Du- oder Sie-Form? Bist Du generell eher ein junges hippes Unternehmen, das sich auch an ein junges Publikum wendet? Oder möchtest Du eher als seriös, traditionell, sachlich verstanden werden? Dann passt die eher formelle Ansprache mit „Sie“ natürlich besser.

Situation:
Eine Bewerbungssituation ist vor allem für den Bewerber herausfordernd. Du solltest vermeiden, ihn in eine unangenehme Lage zu bringen. Trittst Du z. B. auf Deiner Website sehr traditionell auf, duzt aber in der Stellenanzeige die Kandidaten, dann weiß unter Umständen der Bewerber nicht, ob er Dich beim Vorstellungsgespräch duzen oder siezen soll. Vermeide dies, indem Du alles einheitlich machst.

Letztendlich musst du auch Deiner Arbeitgebermarke treu bleiben. Sowohl Du als auch der Bewerber solltet Euch zu jedem Zeitpunkt des Bewerbungsprozesses wohl fühlen und nicht aus Unsicherheit um die Anrede „herumreden“ müssen.

Fazit: Wenn Du unsicher bist, ob „Du“ oder „Sie“ die bessere Option ist, dann empfehle ich Dir auf jeden Fall das „Sie“. Lieber bist Du zu förmlich als zu flapsig. Bleib beim „Du“, wenn Du Dir sicher bist, dass Deine Bewerber sich dadurch gut abgeholt fühlen. 

Tipp: Im Zweifel darfst Du auch gerne irgendwo erwähnen, warum Du Dich ggf. für das „Du“ entschieden hast und dass es bei Euch von Anfang an zur Unternehmenskultur dazugehört. Vorausgesetzt, dem ist tatsächlich so.

Ich unterstütze Dich gerne bei Deinen Karrieretexten. Meld Dich einfach und wir sprechen unverbindlich miteinander.

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